Energiewende 2022
Die Energiewende 2022 – Chancen und Risiken für Rosenheim
Nach dem Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung aus der Nutzung der Kernenergie im Sommer dieses Jahres muss die Versorgung mit elektrischer Energie in Deutschland bis zum Jahr 2022 auf eine neue Basis gestellt werden.
Speziell für Bayern müssen ca. 60% des Stromverbrauchs durch die Nutzung anderer Energiequellen als Kernkraft hergestellt werden. Dies stellt eine gewaltige Herausforderung dar, da gleichzeitig die Klimaschutzziele des Kyoto-Protokolls erfüllt werden sollen. Die direkte Substitution der Kernenergie durch fossile Energieträger wie Kohle scheidet also aus.
Auf den ersten Blick bieten sich die sogenannten Erneuerbaren Energien an: Schon heute in unserer Umgebung verbreitet und gut sichtbar auf den Dächern unserer Häuser sind die Solarzellen, mit denen Elektrische Energie durch direkte Umwandlung von Sonnenenergie gewonnen wird. Auch Biogasanlagen sind in Stadt und Landkreis Rosenheim schon in größerer Zahl anzutreffen. Dies macht sich auch in der immer größer werdenden Fläche zum Anbau von Mais, der Pflanze mit dem höchsten Kalorienertrag pro Hektar, bemerkbar. Windräder sind bei uns noch selten zu sehen, was aus Landschaftsschutzgründen eher zu begrüßen ist. Weit verbreitet ist auch die Nutzung von Holz als nachwachsendem Rohstoff zu Heizzwecken aber auch zur Stromerzeugung in Hackschnitzelkraftwerken.
Alle oben genannten Formen der Stromerzeugung mittels Erneuerbarer Energien bedürfen aber gewaltiger Subventionen, da der so erzeugte Strom nicht zu Marktpreisen hergestellt werden kann.
Im erneuerbaren Energiengesetz EEG wird die Höhe der Subventionen für die einzelnen Stromerzeugungsverfahren geregelt. Die höchste Förderung erhält demnach die Stromerzeugung mit Photovoltaik. Im nächsten Jahr werden durchschnittlich 24 Cent pro erzeugter Kilowattstunde für alle neu ans Netz gehenden Photovoltaikanlagen bezuschusst. Diese Subventionen muss der Stromkunde über die EEG-Umlage bezahlen und zwar für 20 Jahre! Im Moment beträgt die Umlage 3,53 Cent pro Kilowattstunde. Allein 50% davon gehen in die Förderung der Photovoltaikanlagen, die aber nur 2% des Stroms in Deutschland liefern (2010).
Es zeigt sich, dass man deutlich mehr auf die Kosteneffizienz als auf die reine „saubere“ Erzeugungsart achten muss, will man nicht den Strom für die Bürger immer weiter verteuern.
In Rosenheim sind wir in der glücklichen Lage, dass die Vertreter des Stadtrates in früheren Jahren nicht der Versuchung anheim gefallen sind, die Stadtwerke an einen privaten Betreiber zu verkaufen, wie andere Städte es getan haben und heute bedauern.
Dadurch, dass sich die Stadtwerke Rosenheim im Alleineigentum der Stadt befinden, kann sich die Stadt den Herausforderungen der Energiewende stellen:
Durch den Betrieb des Müllheizkraftwerks wurden schon in der Vergangenheit Strom und Wärme für den Bürger erzeugt. Man muss dazu wissen, dass der größte Energieverbrauch, ca. 60%, beim Privatkunden die Wärme ist. Durch die Erzeugung von Strom und anschließender Nutzung der anfallenden Wärme, die durch das Rosenheimer Fernwärmenetz an die Endkunden geliefert wird, erreicht man einen mindestens doppelt so hohen Wirkungsgrad wie bei der Stromerzeugung in reinen Kraftwerken ohne Nutzung der Abwärme.
In ihrem Energiekonzept 2025 haben sich die Stadtwerke vorgenommen, bis zum Jahr 2025 die Null CO2- Emission zu erreichen: Dies soll durch den Ausbau des Fernwärmenetzes und dem Einsatz von Holz zur Stromerzeugung möglich werden. Dabei soll der Strom aus Holz nicht durch Verbrennung, sondern durch ein neu entwickeltes Vergasungsverfahren gewonnen werden. Dieses Holzgas wird dann in einem Gasmotor zur Erzeugung von elektrischer Energie eingesetzt. Die anfallende Abwärme wird als Heizenergie dem Fernwärmenetz zugeführt. Der elektrische Wirkungsgrad der Holzvergasung liegt doppelt so hoch wie der der Verbrennung. Die Stadtwerke Rosenheim sind bei der Entwicklung der neuen Holzvergasungstechnologie führend und arbeiten mit international renommierten Hochschulen wie der TU Dresden zusammen.
Alles in allem tragen die Stadt und die Stadtwerke Rosenheim dazu bei, dass die Energiewende 2022 erreichbar sein wird, und auf dem Weg dorthin die Klimaziele und die Kosteneffizienz der Maßnahmen Berücksichtigung finden. Denn eine muss klar sein: Für unsere Zukunft brauchen wir sichere, umweltfreundliche und bezahlbare Energie.
Zu diesem Thema fand am 19.01.2012 um 19.30 Uhr eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim, Herrn Dr. Brühl, im Mail Keller statt.
Zur Nachbereitung des Themas könne Sie hier das Energiekonzept 2025 der Stadtwerke Rosenheim runterladen:
Energiekonzept SWRosenheim 2025
Den Presseartikel des OVB zu der Veranstaltung finden Sie hier: OVB Energieveranstaltung der CSU 2012
Im echo wurde folgender Bericht der Veranstaltung veröffentlicht: Ehrgeizige Ziele der Stadtwerke